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DIE Sofa-Farbe in Deutschland - Grau

Betongrau, Staubgrau, Austerngrau, Computergrau, Mausgrau: so sieht er aus, der Polsterstoff in deutschen Wohnzimmern. Sagt das etwas über die deutsche Seele aus?

Das Spiel mit der Farbe Grau.
In 8 von 10 deutschen Wohnzimmern findet man ein graues Sofa vor. Die Italiener haben es gerne hell und strahlend, hier sind 8 von 10 Sofas Weiß. Die Briten sind mutiger, sie haben es gern bunter und entscheiden sich auch mal für die farbige Variante.

Was veranlasst die Deutschen sich der Farbe Grau so hinzugeben? Und sich stur und störrisch nicht mehr von ihr abzuwenden? Ist es Liebe oder Abhängigkeit? Wir versuchen das Phänomen aufzuklären und hinter die Kulissen zu schauen.
 

Das graue Ecksofa

Die Ausführung ist immer gleich, ob man die Anschaffung nun im High- oder Low-Level Bereich getätigt hat, Qualitätsunterschiede mal außen vorgelassen. Dank des grauen Ecksofas ist es vorbei mit dem bürgerlichen Sitzen bei gestrafftem Rücken. Das Sinnbild von individueller Bequemlichkeit und stilistischer Anspruchslosigkeit findet man aber tausendfach, wann immer man in Privatwohnungen vorgelassen wird. Warum nur? Oder, andere Frage: Könnte das Leben mit einem lila Samt-Sofa und Brokat-Kissen ein anderes sein? Würde sie einen insgesamt waghalsiger machen?
Mögen Einrichtungszeitschriften von der modernen Anmutung einer Chaiselongue in kaltem Rosa schwärmen, mögen Interior Blogger sich über die Anschaffung eines dunkelblauen Samtsofas mit Messing-Dekor auslassen, mögen Designerinnen beteuern, dass cremefarbene Leinenbezüge auf üppig ausgestopften Polstern so gar kein Problem mit kleinen Kindern darstellten: Mit der Realität hat das wenig zu tun. Wohin man sich auch wendet, zu sehen ist immer der gleiche unfarbene Sitzwinkel.
Bevorzugt in allen Grau-Nuancen, Elefantengrau, Gewittergrau, Karbongrau, Steingrau, Bleigrau, Zementgrau ..., gipfelnd in der Frage: "Soll ich da mal so'n ganz frisches Steingrau empfehlen?" Oder man entscheidet sich alternativ für Taupe, jenen braungrauen Mischton, der an getrocknetes Porridge erinnert. Auch die ins Bräunliche spielenden Sofatöne sollen ja vor allem hell, unauffällig, anpassungsfähig sein. Maximal zurückhaltend, zweckmäßig wie eine Outdoor-Jacke in der Großstadt. Es gibt viele vernünftige Argumente dafür – ästhetische aber sind es gewiss nicht.


Dallas gegen Denver

Während es die Amerikaner üppig kapitoniert mögen und es in ihren Wohnzimmern gerne nach Dallas oder Denver-Clan aussehen darf, ist das Lieblingssofa der Deutschen eine Ansammlung von schlichten, quaderförmigen Polstern und Kissen, gerne über Eck, damit mindestens zwei es sich liegend darauf gemütlich machen können. Das fördert außerdem die Kommunikation, denn reden ist angenehmer, wenn man sich nicht frontal gegenübersitzt.


Das Sofa in Grau, ein Sitzmöbel für jede Situation

Bring mit einem grauen Sofa Farbe ins Wohnzimmer. Klingt seltsam? Funktioniert aber ganz wunderbar. Schlicht, aber elegant oder als Basis für spannende Kombinationen mit vielen Kissen in lebhaften Farben und Mustern– lassen Sie Ihren Ideen freien Lauf. Schließlich ist eine Couch in Grau mit all seinen Möglichkeiten geradezu prädestiniert für Menschen, die gern mit neuen Wohn-Trends herumexperimentieren.
Ist das alles nicht ganz schön langweilig und gleichförmig, verglichen mit dem wilden Herumgelungere auf Knautsch-PVC-Sitzsäcken in der Flower-Power-Zeit? Im Sitzen steckt heute nichts Revolutionäres mehr. Das Sofa soll zweckmäßig sein, praktisch, nicht zu plüschig. Alles ist sowieso wieder sehr brav geworden. Wir erleben ein neues Biedermeier. Man ist wieder mehr zu Hause, da braucht man Platz und Möglichkeiten zum Sitzen. Die Entwicklung der letzten Jahrzehnte geht weg vom Sofa als freistehendem, skulptural geformtem Einzelmöbel hin zu Sofalandschaften, die als Teil der Architektur wahrgenommen werden und sich in diese integrieren.

Die frühere repräsentative „gute Stube“ ist heute ein privater Rückzugort geworden. Die Sofas sind tiefer und loungeiger, was zur Folge hat, dass man auf den Sofas mehr liegt als sitzt. In den Siebzigern waren die Sofas wild gemustert, mit Cord und Samt bezogen und stand an prominenter Stelle im Wohnzimmer. Heute ist das Sofa Grau und zieht sich gerne in eine Ecke zurück.
In unserer schnellen Welt, mit den getakteten Terminen und den vielen Stressfaktoren im Alltag, wollen sich die Deutschen in Ihrer Freizeit einen Rückzugsort erschaffen, indem Sie machen können was Sie wollen. Auf dem Sofa liegen oder fläzen, kuscheln oder Turnübungen ausrichten. Sie wollen sich gehen lassen in Ihrer Komfortzone. Andererseits deutet eine erlesene Gruppe Bauhaus-Mobiliar, ausgesuchte Design-Klassiker oder die liebevoll präsentierten Sammlerstücke in der Glasvitrine darauf hin, dass hier noch mit gesellschaftlichem Ehrgeiz eingeladen wird. Wie schön!

Passt immer und tut gar nicht weh

In sämtlichen Umfragen bezüglich deutschen Sofas kommt immer ein und dasselbe Ergebnis zustande. Die ersten Plätze werden rigoros von…. tata… von den grauen Ecksofas und seinen unaufdringlichen Verwandten blockiert. Wer hätte das jetzt gedacht? in Schweizer Möbelhersteller ließ vor Jahren einmal eine Studie erstellen, mit der die beliebtesten Möbel ermittelt werden sollten. Den 1.500 Teilnehmern wurden Fotos von 60 Sofatypen vorgelegt, sie konnten sich für ihre bevorzugten Modelle entscheiden. Auf den ersten zehn Plätzen standen das graue Ecksofa und seine nächsten, ebenso unaufdringlichen Verwandten.

Das graue Sofa, verzieht sich brav „ins Eck“, ist unauffällig und äußerst pflegeleicht, meckert nicht, gibt keine Wiederreden und isst auch nicht den Kühlschrank leer – ein perfekter Mitbewohner also!